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Interkulturelle Philosophie

Die Besonderheit philosophischen Denkens liegt in ihrer eigentümlichen Denkbewegung begründet, die sich durch ein beständiges Infragestellen ihrer Voraussetzungen auszeichnet. Die philosophische Denkbewegung vollzieht sich als eine von einem unmittelbar Gewußten ablösende negative Bewegung. Vom bislang Verständlichen oder auch Selbstverständlichen wird Distanz genommen, es wird in Frage gestellt und hinterfragt. Philosophische Reflexion setzt sich aufgrund der geschilderten Dynamik immer einen Widerpart, von dem sie sich distanziert: das alltägliche Wissen, Religion und Theologie, Wissenschafts- und Ideologiekritik. Dabei gehört es zur Dynamik dieser Ablösung, daß Philosophie sich immer wieder von Philosophien, die lebensbestimmend werden oder geworden sind, absetzt. D.h., die Selbstkritik der Philosophie ist ein lebensbestimmendes Moment philosophischer Reflexion.

Philosophien üben eine Orientierungsfunktion in ihren jeweiligen Kontexten aus. In dem Versuch, Selbstverständliches in Frage zu stellen und Voraussetzungen des Denkens zu hinterfragen, übt Philosophie nicht nur Kritik am Bestehenden, sondern eröffnet zugleich Denk- und Handlungsräume und schafft damit Visionen zur Veränderung des Gegebenen. Deshalb zeichnet sich philosophisches Denken auch dadurch aus, dass es neue Tendenzen, Probleme und Entwicklungen thematisiert.

Die je konkrete Form dieser kritisch-reflexiven Denkbewegung kann sehr verschieden sein: sie kann sowohl schriftlich fixiert werden, was eine lange Traditionsbildung befördert, wie wir sie aus dem abendländischen Kontext, aber auch aus China, der arabischen Welt oder Indien kennen, sie kann aber auch genauso in schriftlosen Kulturen ausgeübt werden; sie kann in Akademien und Universitäten erlernt, gelehrt und praktiziert werden, aber ebenso in anderen Lebensräumen wie Cafés, privaten Gesprächszirkeln, auf der Wanderung buddhistischer Lehrmeister und in Tempeln; sie kann in völliger Abgrenzung zu Religionen erfolgen, aber auch unter dem Mantel einer Religion; sie kann sowohl im Begriff, wie auch im Bild ihren Ausdruck finden.

Wird Philosophie als die eben beschriebene Denkart verstanden, ist sie zweifellos allen Völkern in ihrer geistig kulturellen Entwicklung gemeinsam. Dann muß aber von einer Pluralität in der Philosophieentwicklung ausgegangen und kann die besondere abendländische Entwicklung des Philosophierens nur als eine unter vielen betrachtet werden.

Philosophie in Afrika

Die Geschichte der Philosophien, die sich auf dem afrikanischen Kontinent entwickelt haben, ist noch zu schreiben. Über viele Jahrhunderte, vom Alten Ägypten bis zu den Philosophien des 20. Jahrhunderts, klaffen Lücken, die es zu füllen gilt. Dies ist eine schwere, fast unlösbare Aufgabe. Nicht nur, weil es gerade im subsaharischen Afrika kaum Aufzeichnungen oder andere materielle Relikte früherer Jahrhunderte gibt, die uns hier in Europa gewöhnlich zur Re-Konstruktion von Geschichte und Traditionen dienen. Hinzu kommt, dass fest etablierte Vorurteile zu überwinden sind.

Was die Philosophie betrifft, galt Afrika lange Zeit als ein „weißer Fleck“ auf der Weltkarte. So ist es nicht verwunderlich, dass die Debatte, die die moderne afrikanische Philosophie entscheidend geprägt hat, die Auseinandersetzung um die Frage „Was ist afrikanische Philosophie?“ bzw. „Was ist das Afrikanische an der afrikanischen Philosophie?“ war.

Eine kritische Vergewisserung über den Philosophiebegriff betraf den Versuch der Selbstbegründung einer bewussten, grundlegenden Orientierung des Denkens und Handelns. Dreh- und Angelpunkt dieser Debatte war die Frage nach der Universalität von Philosophie einerseits bzw. der Art und Weise ihrer kulturellen Gebundenheit andererseits.

Für weitere Informationen zur Geschichte der Philosophie in Afrika und zu wichtigen Autoren, sowie Literaturhinweise lesen Sie den folgenden Text:
Philosophie in Afrika (download word Dokument, 89 Kb)